Modelle & Ideen  ·  Berufsprofil

Enthusiast:innen
Silver Economy.

31. Mai 2025 Modelle & Ideen Modelltyp III Eigener Markt

// Das Berufsprofil

Silver Economy Expert:innen erschließen die wirtschaftlichen Potenziale einer alternden Gesellschaft. Sie entwickeln Produkte, Services und Geschäftsmodelle für die wachsende Gruppe der über 50-Jährigen. Ihr entscheidender Vorteil liegt darin, dass sie selbst dazugehören.

Als Angehörige der Zielgruppe wissen sie, was diese Generation bewegt und braucht. Sie entwickeln Angebote von der Zielgruppe für die Zielgruppe, und genau das lässt sich von außen schwer nachbauen. Zielgruppe und Lösung fallen in einer Person zusammen. In der Typologie auf Modelle & Ideen ist das Modelltyp III, Eigener Markt.

Fünf konkrete Profile.

// 01

Silver Market Strategin

Vordenkerin für generationsspezifische Märkte

Entwickelt Marktstrategien, die die spezifischen Werte und Kommunikationsweisen der Generation 50 bis 75 plus ansprechen. Analysiert Konsumtrends der Silver Society jenseits des Mainstreams. Berät zu Produktanpassungen mit Fokus auf Qualität, Langlebigkeit und Benutzerfreundlichkeit statt auf universelle Massenansprache.

// 02

Active Aging Innovator:in

Gestalter:in sinnvoller Lebenswelten

Identifiziert Marktchancen aus den unerfüllten Bedürfnissen der „neuen Alten". Konzipiert Produkte und Services, die den Alltag erleichtern, soziale Teilhabe fördern und neue Möglichkeiten erschließen. Entwickelt Geschäftsmodelle, die nicht auf schnelles Skalieren, sondern auf tragfähige Wirkung abzielen.

// 03

Silver Economy Trendscout

Entdecker:in unsichtbarer Märkte

Identifiziert früh aufkommende Konsumtrends innerhalb der Silver Society, die von der traditionellen Marktforschung übersehen werden. Führt qualitative Analysen und Trendforschung durch, jenseits digitaler Big Data. Übersetzt tiefes Zielgruppenverständnis in konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen.

// 04

Silver Service Designer:in

Empath:in für altersgerechte Erlebnisse

Gestaltet altersgerechte Dienstleistungen auf Basis von Geduld, persönlicher Interaktion und Vertrauen. Passt bestehende Angebote an die Silver Society an, wo nötig auch durch bewusste De-Digitalisierung. Entwirft Customer Journeys, die Entschleunigung und individuelle Betreuung als Kernmerkmal haben.

// 05

Mobilitäts-Gestalter:in

Pimp your Rollator

Gestaltet Gehhilfen, Rollatoren, Dreiräder, Sitzgelegenheiten und Zubehör so, dass man sie besitzen will statt sie zu ertragen. Der Markt behandelt Mobilitätshilfen bis heute überwiegend als Medizinprodukt: grau, klinisch, auf Kostenerstattung getrimmt und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner konstruiert. Wer sie stattdessen als Designgegenstand denkt, mit Farbe, Material, Zubehör, Nachrüstsätzen und Reparierbarkeit, verkauft kein Hilfsmittel, sondern Bewegungsfreiheit.

Das ist der Punkt, an dem Scham in Selbstverständlichkeit kippt. Genau dort liegt die Zahlungsbereitschaft, die im Erstattungsmarkt nicht sichtbar wird: Wer ein Gerät schön findet, kauft es selbst und nicht auf Rezept. Zielgruppen: Direktkäufer:innen jenseits der Kassenlogik, Hersteller ohne eigene Designkompetenz, Sanitätshäuser, Werkstätten für Umbau und Nachrüstung. Angrenzend: Fahrradbau, Möbel, Mode und alles, was mit Bewegung im Alltag zu tun hat.

// Was Sie mitbringen müssen

Fachlich. Methodisch.
Menschlich.

Fachliche Qualifikation

Fundierte Marktkenntnis und Branchenerfahrung im Konsumgüter-, Dienstleistungs- oder Technologiebereich. Tiefes Verständnis für das Konsumverhalten der Generation 50 plus. Expertise in Produktentwicklung, Service Design und Innovationsmethoden.

Methodenkompetenz

Ganzheitliche Marktanalyse und Trendforschung jenseits digitaler Big Data. Nutzerzentriertes Service Design mit Fokus auf die Silver Society. Customer Journey Mapping aus generationsspezifischer Perspektive. Iterative Produktentwicklung auf Basis von Nutzerfeedback.

Soziale Kompetenz

Tiefes Zielgruppenverständnis und ausgeprägte Empathie. Kommunikationsstärke über Generationengrenzen hinweg. Produktive Akzeptanz als Grundhaltung: Generationsunterschiede akzeptieren und als Innovationsquelle nutzen. Authentisches Auftreten als Angehörige:r der Zielgruppe.

5,7 Bio.

Euro Größe der europäischen Silver Economy, Stand 2025. Ausgangswert waren 3,7 Billionen im Jahr 2015.

// Zukunftsperspektive

Der Markt ist da. Bedient wird er halbherzig.

Die Ausgaben der über 50-Jährigen in Europa summieren sich auf eine Größenordnung, die als eigenes Land die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wäre, hinter den USA und China. Gefragt sind Menschen, die Produkte und Services für die „neuen Alten" entwickeln können, für eine qualitätsbewusste, konsumfreudige und technikerfahrene Generation, die ernst genommen werden will.

Quelle: Europäische Kommission, The Silver Economy, Studie von Technopolis und Oxford Economics, 2018. Basiswert 3,7 Billionen Euro für 2015, fortgeschrieben mit rund 5 Prozent jährlich. Die Kommission führt den Wert von 5,7 Billionen inzwischen als erreichten Stand. Es handelt sich um eine Studienschätzung, nicht um eine Größe aus der amtlichen Statistik.

// Verdienstmöglichkeiten

Woran hier verdient wird.

Strategie

Tagessatz oder Projektpauschale

Bezahlt wird ein Urteil, nicht Anwesenheit. Der Ertrag hängt an der Frage, ob jemand die Folgen einer Marktentscheidung schon einmal getragen hat, nicht am Volumen.

Produkt und Design

Pauschale, teils mit Anteil am Ergebnis

Wo ein Produkt entsteht, ist der Anteil interessanter als der Stundensatz. Bei Lizenz oder Umsatzbeteiligung trägt man länger mit, verdient aber auch länger.

Service Design

Projekt oder Retainer

Laufende Begleitung eines Angebots ist planbarer als Einzelprojekte. Der Retainer ist für ein Einzelunternehmen die stabilste der drei Formen.

Konkrete Tagessätze nennen wir hier bewusst nicht. Für die Bandbreiten, die in der Branche kursieren, liegt uns keine erhobene Quelle vor, und eine Zahl ohne Boden ist auf dieser Seite nicht besser als keine. Zur Einordnung: Das Medianeinkommen selbständig Erwerbstätiger in Österreich liegt bei 13.201 Euro im Jahr (Statistik Austria, Einkommensteuerstatistik 2021). Wer einen vierstelligen Tagessatz ansetzt, muss vor allem erklären können, wie viele Tage davon tatsächlich verkauft werden. Zur steuerlichen Seite, besonders bei gleichzeitigem Pensionsbezug, gehört eine fachkundige Abklärung dazu.

// Modelle & Ideen  ·  laufender Arbeitsstand

„Das ist kein Bug, sondern ein Feature."

Dieser Beitrag gehört zur laufenden Bestandsaufnahme auf Modelle & Ideen. Die hier beschriebenen Profile sind Kandidaten, keine Rezepte: erste Erkundungen in einem Feld, das noch kartografiert wird. Jede Liste ist unvollständig, jedes Modell vorläufig.

Betrachten Sie die Vorschläge als Prototypen. Wenn Sie einen Fall kennen, der hier hineingehört, oder ein Produkt, das es längst gibt und das niemand als Modell gelesen hat, schreiben Sie uns. Jeder Hinweis geht geprüft und mit Quelle in den Bestand ein.